Mörderisches Idol der Rechtsextremisten: Rudolf Heß

NPD verklärt Kriegsverbrecher

Jedes Jahr aufs Neue ist die rechtsextremistische Szene bemüht, Rudolf Heß' am 17. August zu gedenken. Als Hitler-Stellvertreter war er von 1933 bis 1941 auch Minister ohne Geschäftsbereich. Im Mai 1941 flog er nach Großbritannien, wurde festgenommen und 1945 im Nürnberger Prozess gegen Kriegshauptverbrecher angeklagt. Wegen Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Weltfrieden zu lebenslanger Haft verurteilt, starb er 1987 im alliierten Militärgefängnis Berlin-Spandau.

Heß war bis 1941 neben Hitler eine der zentralen Schlüsselfiguren im Nationalsozialismus. Dies ist exakt der Zeitraum, in dem das Dritte Reich den Rechtsstaat auflöste, Parteien verbot, freie Wahlen einfach abschaffte, Demokraten wegsperrte, Konzentrationslager errichtete und füllte, deutsche Juden - darunter zigtausend hochdekorierte Veteranen des Ersten Weltkriegs - immer brutaler verfolgte und deren millionenfache industrielle Vernichtung vorbereitete sowie den Zweiten Weltkrieg auslöste.

Trotz allem dient Heß der rechtsextremistischen Szene als NS-Edelmann mit angeblich ehrenhafter Gesinnung. Dafür bricht man diesen angeblichen Vorzeige-Nazi aus dem historischen Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen heraus, hüllt ihn in eine Opfer-Rolle und behauptet: Heß wollte Frieden und wurde ermordet.

So schrieb zum Beispiel die rechtsextremistische NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" in ihrer 2007er August-Ausgabe, Heß habe sich "so gut wie nichts zu schulden kommen lassen". Im August 2008 heißt es dort, Heß hätte die "Kriegsmaschinerie stoppen" wollen. "Die Ehre, dies versucht zu haben, kann ihm keiner nehmen." Und die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) schrieb im April 2008 in ihren HNG-Nachrichten: "Ermordet haben sie Dich ... Deine Mörder kamen vom anglo-usraelischen Geheimdienst. Totgeschwiegen wird es von den Democraten." (Fehler im Original)

Mit solcher Vorgehensweise wird seit Jahren krampfhaft der Versuch unternommen, das NS-Regime in ein besseres Licht zu rücken. Ziel ist Relativierung und Verharmlosung der Verbrechen. Denn wenn sogar der Hitler-Stellvertreter von angeblich ehrenhafter Gesinnung gewesen sei, dann müsse das auch für weitere Bereiche des Dritten Reichs gelten. Heß wird so zur Projektionsfläche eines angeblich positiven Nationalsozialismus. Doch Heß ist und bleibt der Stellvertreter eines millionenfachen Mörders namens Hitler.