Verfassungsschutz durch Aufklärung

Hessen testet erfolgreich Planspiel des brandenburgischen Verfassungsschutzes

Chico, Muhammed und Soni haben es geschafft. Sie haben als Vorstand einer fiktiven „Bürgersitzung" die Diskussion zu einem guten Ende geleitet. Ein trag- und mehrheitsfähiges Ergebnis ist zustande gekommen. Die Erleichterung darüber ist den dreien ins Gesicht geschrieben. Dass es so schwer sein würde, am Ende des Planspieles „Demokratie und Extremismus" verschiedene Meinungen zu bündeln und einen Kompromiss herbeizuführen, hatten sie nicht geahnt. „Im wirklichen Leben würde ich es keine zwei Tage als Vorsitzender aushalten", resümiert der gebürtige Cottbusser Chico seine Erfahrung.

Dieses Planspiel wird seit zwei Jahren vom Verfassungsschutz Brandenburg angeboten. In seinem Verlauf erleben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Konflikt zwischen Extremisten und Demokraten hautnah. Denn sie selbst spielen die beteiligten Gruppierungen. Einige von ihnen mimen Vertreter verschiedener demokratischer Parteien. Andere stellen Rechts-, Links-, oder islamistische Extremisten dar.

Der wichtigste Moment des Planspiels ist die Abstimmung in der bereits erwähnten „Bürgersitzung". Hier zeigt sich, ob es gelungen ist, Mehrheiten zu gewinnen und ob die Kompromisse zwischen den Gruppen stabil sind. In Hanau ist dank Chico, Muhammed und Soni alles gut gegangen.

Die Hessische Gesellschaft für Wirtschaftkunde (GfW) in Hanau hatte vor einigen Wochen angefragt, ob das vom brandenburgischen Verfassungsschutz entwickelte Planspiel auch in Hessen durchgeführt werden könnte. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Verfassungsschutz ist dieses Vorhaben in der letzten Oktoberwoche 2008 umgesetzt worden. Im Lehrerzimmer der GfW ist man einhellig davon überzeugt, dass die Kursteilnehmer mit Hilfe des Spiels viel über Demokratie und ihre Bedrohung durch Extremisten gelernt haben.

Darüber, dass mittlerweile auch jenseits der brandenburgischen Landesgrenzen das Planspiel angefragt wird, freut sich Verfassungsschutz-Chefin Winfriede Schreiber. „Unser Konzept 'Verfassungsschutz durch Aufklärung' ist richtig. Nachrichtendienste sind auch Dienstleister und müssen ihre Informationen in unterschiedlicher Form weitergeben. Hierzu zählen Planspiele. Die erfolgreiche Durchführung unseres Planspiels in Hessen bestätigt das."