NPD und NSDAP

Das „lebensrichtige Menschenbild" der NPD ist rassistisch

Aus ihrem rassistischen Weltbild macht die NPD keinen Hehl. Zwar zieht man es in NPD-Veröffentlichungen vor, vom „lebensrichtigen Menschenbild" zu sprechen, gemeint ist damit aber das Selbe. Mit „lebensrichtig" ist gemeint, dass die Handlungen und das Wesen eines Menschen sich ausschließlich mit seiner ethnischen Herkunft erklären ließen. Die dem Menschen angeborenen Triebe und Instinkte seien, so die NPD, bestimmend für die Entwicklung seines Charakters.

Die NPD vermarktet dieses „lebensrichtige Menschenbild", indem sie darauf hinweist, dass auch z.B. in ethnologischer und soziologischer Forschung die biologische Natur des Menschen in Betracht gezogen werde. So tönte die „Deutsche Stimme", die Parteizeitung der NPD, im Februar 2002, „selbst Anthropologen" sähen mittlerweile ein, dass der Mensch ein „integraler Bestandteil der Natur" sei. In der Tat würde kein Wissenschaftler der Aussage widersprechen, dass der Mensch ein natürliches Wesen ist. Aber in Wirklichkeit geht es der NPD gar nicht um ein wissenschaftlich unterstütztes Menschenbild, sondern darum, rassistisch motivierte Politik zu betreiben. Und das unterscheidet sie von den Wissenschaftlern, die sie so gerne als Kronzeugen ihrer rassistischen Ideologie ins Feld führt.

Rassismus als politischer Leitfaden
Die NPD ist nämlich davon überzeugt, dass das Glück eines Landes nicht in wirtschaftlichem Wachstum, nicht in sozialer Gerechtigkeit und nicht in politischer Freiheit zu suchen sei, sondern in der ethnischen Zusammensetzung seiner Bevölkerung. Das ist mit dem „lebensechten Menschenbild" in Wirklichkeit gemeint. Alle anderen politischen Ziele sind diesem rassistischen Weltbild untergeordnet. Gibt es irgendwo soziale Ungerechtigkeit? Die NPD erklärt sie mit einem Anstieg der „fremdstämmigen Wohnbevölkerung" in Deutschland. Gleiches gilt für Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Staatsverschuldung. Der eigentliche Kern allen Übels liegt für die Rassisten in der NPD also darin, dass Deutschland nicht „ethnisch rein" sei.

Die „Nürnberger Gesetze" der NPD
Die NSDAP hatte ein sehr ähnliches Menschenbild, das sie 1935 in Gesetzesform übersetzte. Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" verbot die Ehe zwischen „Juden" und „Nichtjuden" sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen ihnen. Es diene, so hieß es damals, zur „Reinhaltung des deutschen Blutes", einem zentralen Anliegen der nationalsozialistischen Ideologie. Die Nazis waren davon überzeugt, dass sie in einem ethnisch reinen „Volksstaat" alle sozialen Probleme lösen könnten. Als schwierig erwies sich für sie bald die Frage, wie mit den so genannten „Halbjuden" und „Mischlingen" umzugehen sei. Eine eigenständige Bürokratie musste sich mit der Frage auseinander setzen. Entnervt von den selbstgemachten Problemen soll der nationalsozialistische „Reichsmarschall" Hermann Göring einmal erklärt haben, er bestimme selbst, wer Jude sei und wer nicht.

Die NPD spricht in der Broschüre „Argumente für Kandidaten und Funktionsträger" unter dem Titel „Die NPD will die Ausländerrückführung. Was ist mit den Mischlingen?" einen sehr ähnlichen Themenkomplex an. Dabei lässt sie sich allerdings von ihrem eigenen „lebensrichtigen Menschenbild" blenden. Die in Deutschland lebenden Ausländer verfügten, so die NPD, über ein „ausgeprägtes Heimatbewusstsein" und heirateten zudem „aus religiösen Gründen endogam". Es gebe also nicht viele Menschen, die sich nicht einer der beiden Gruppen: Deutsche oder Ausländer, zurechnen ließen. Sollte die NPD an die Macht kommen, so geht es im Text weiter, würden alle nicht-europäischen Ausländer aus Deutschland abgeschoben. „Die Mischlinge", davon ist die NPD überzeugt, würden „Deutschland über kurz oder lang freiwillig verlassen, weil ihnen der" - der NPD-Ideologie zufolge zu erwartende - „nationale Klimawandel nicht passt." Sie werden sich dann Heimatländer suchen, „in denen die Durchrassung unumkehrbar ist."

Diese Argumentation macht erschreckend deutlich, dass die NPD ernsthaft glaubt, dass Menschen sich in ihrer Lebensgestaltung daran orientieren, zu welcher „Rasse" sie gehören. Sie zeigt, wie sehr die politische Pogrammatik der NPD rassistischen Überzeugungen unterworfen ist. Abgesehen davon, dass individuelle alltägliche Erfahrung lehrt, wie lebensfremd solch ein Weltbild ist, wird auch mit Blick auf die historische Erfahrung mit der NSDAP klar, welche lebensvernichtenden Auswirkungen es haben kann.