Szene-Kleidung von Rechtsextremisten

„Thor Steinar“ scheitert mit neuem Vertriebsweg

Auf der Suche nach neuen Vertriebswegen ist die Bekleidungsmarke „Thor Steinar" gescheitert. Sie hatte versucht, im Magdeburger Hundertwasser-Haus eine Verkaufsfiliale zu eröffnen. Unter Rechtsextremisten ist die Marke beliebt und gilt als szenetypisches Erkennungs- sowie Abgrenzungsmerkmal. Die Wochenzeitung „Die Zeit" schrieb von einer „Designer-Firma für Rechte".

Als Möchtegern-Mieter trat in Magdeburg die „Uwe Meusel Factory" auf. Mit dem Ladengeschäft mit der Bezeichnung „Narvik" im Hundertwasser-Haus sollte ein neuer Absatzweg in bürgerlicher Umgebung eröffnet werden. Meusel ist einer der Geschäftsführer der „Thor Steinar Mediatex GmbH". Sie hat ihren Sitz im brandenburgischen Zeesen bei Königswusterhausen. Mittlerweile zeigten die Proteste Wirkung. Der Vermieter hat den Vertrag unmittelbar nach Bekanntwerden des Hintergrundes des Mieters gekündigt.

Bekleidungsstücke von „Thor Steinar" bedienen in Farbgebung und Schriftzügen eine als völkisch verstandene Symbolik. Die gotischen Lettern werden von der Kundschaft mit dem NS-Regime in Verbindung gebracht. Inhaltlich nehmen die Schriftzüge Bezug auf vorchristlichen Germanen-Kult und eine glorifizierende Sicht der Wehrmacht. Beispielsweise ist ein T-Shirt mit der Aufschrift „Flugschule" bedruckt und zeigt eine Messerschmidt Me 262. Mit dieser „Wunderwaffe" hoffte Hitler noch am Endes des Zweiten Weltkrieges auf die aussichtslose militärische Wende. Auch wegen dieser verbrecherischen Rücksichtslosigkeit der Nationalsozialisten ließen alleine im Kriegsjahr 1945 noch Millionen Menschen ihr Leben. Andere Shirts tragen mit der anspielenden Grußformel „Weidmanns Heil" den Umriss eines Maschinengewehrs.

Dieses Spiel mit mehr oder weniger verhohlenen Andeutungen an der Grenze zur Strafbarkeit ist charakteristisch für das Sortiment der Firma. Rechtsextremisten fühlen sich davon angesprochen. Sie bezeichnen die Firma in Internet-Diskussionsforen als „zur Bewegung gehörig". Die Bekleidung werde „nicht ohne Grund getragen". Im Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen wurde das ursprüngliche Thor-Steinar-Logo (Binderune: Kombination aus der Tiwaz und der Sowilo Rune) inzwischen aus dem Sortiment genommen. Denn einige Gerichte prüften eine Strafbarkeit wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die Rechtsprechung ist bislang noch nicht einheitlich. Unter Rechtsextremisten gelten jedoch auch die neuen Logos als identitätsstiftender Erkennungs-Code.