"Homegrown Terrorism"

New Yorker Studie zu islamistischem Terrorismus in Europa, Kanada und den USA

Islamistischer Terrorismus verblüfft Fachleute aus Wissenschaft und Sicherheitsbehörden immer wieder. Oft üben ihn unauffällige, häufig nach außen hin freundlich wirkende Menschen aus. Das New Yorker Police Department hat hierzu eine umfassende Studie vorgelegt. Abgeglichen wurden Persönlichkeitsprofile verschiedener Terroristen. Gesucht wurde nach Mustern, die sich in der Entwicklung von einem normalen Bürger zum gewaltbereiten Islamisten ergeben. Alle untersuchten Terroristen hatten in Europa (Madrid, London, Amsterdam), den USA (Lackawana, Portland, New York), Kanada (Toronto) oder Australien gelebt und im "Westen" ihre Anschläge geplant und zum Teil auch durchgeführt. Das New Yorker Police Department kommt zu dem Schluss, dass der Weg zum islamistischen "homegrown terrorism" - darunter wird islamistischer Terrorismus in der westlichen Welt verstanden - häufig über vier Etappen verläuft. Laut Studie sind das folgende: 1. Vorstufe, 2. Selbstfindung, 3. Indoktrination und 4. Jihadisierung.

1. "Vorstufe": Der Studie zufolge gibt es keine "geborenen Terroristen". Kriminalstatistisch fallen Menschen, die später Terroristen werden, so gut wie nie auf. Sie üben normale Berufen aus, gehen zur Schule, studieren und sind auch nicht außergewöhnlich religiös oder gewaltgeneigt. Allenfalls auffällig ist, dass junge muslimische Männer in einem Alter zwischen 15 und 35 anfälliger für die Propaganda terroristischer Gruppen sind als andere Muslime.

2. "Selbstfindung": Es kann passieren, dass diese jungen Männer durch eine seelische Erschütterung, beispielsweise ein Todesfall in der Familie, eine Glaubenskrise durchlaufen, in der sie sich stärker als zuvor mit ihrer Religion beschäftigen. Im Rahmen dieser Selbstfindung werden sie auf die radikale Religionsauslegung des so genannten "Jihadismus" aufmerksam. Der Jihadismus ist eine vom Ägypter Sayyid Qutb (1906-1966) entwickelte Lehre, wonach der Islam eine politische Botschaft sei. Ziel des Kampfes der "Gläubigen" gegen die "Ungläubigen" (Jihad) sei es, das "Reich Gottes auf Erden" zu errichten.

3. "Indoktrination": Neu-Jihadisten suchen - insbesondere im Internet - Gleichgesinnte, mit denen sie sich zusammenschließen. Einher geht dies mit einer Abschottung von der bisherigen Umwelt. Dem Internet kommt laut Studie in dieser Phase die Funktion des stetigen "Antreibers", "Befähigers" und "Bestätigers" zu. In der Indoktrinierungsphase fällt zudem häufig einem charismatischen Führer eine zentrale Rolle zu. Dieser strahlt religiöse Autorität aus und unterweist seine jungen Anhänger immer und immer wieder in ihrem Recht sowie ihrer Pflicht zum Jihad.

4. "Jihadisierung": Wenn sie dann die Phase der "Jihadisierung" erreicht haben, sind die Jihadisten zu Anschlägen bereit, die sie aus eigenem Antrieb organisieren. Allerdings ist der Übergang von einer Gruppe indoktrinierter junger Männer hin zu einer heimlich agierenden Terrorzelle davon abhängig, dass eines der Mitglieder eine führende und organisierende Rolle übernimmt. Im Falle der Attentäter vom 11. September 2001 war es Mohammed Atta gewesen, der diese Rolle ausfüllte.

Die Studie hebt hervor, dass nur eine verschwindende Minderheit der jungen Muslime in der westlichen Welt den Weg des Jihadismus einschlägt. Vor dem Hintergrund ursprünglicher Unauffälligkeit in der Lebensführung sei polizeiliche Prävention im Vorfeld dieser Etappen kaum umsetzbar. Ansätze der Prävention lägen demnach eher in der Unterbrechung, wenn der Prozess bereits am Laufen ist. Ebenso weist die Studie auf die nicht seltenen Fälle hin, in denen junge Islamisten ihre Ausbildung in Terrorcamps aus eigenem Antrieb abgebrochen haben. Insofern ist es also möglich, den Prozess der Radikalisierung anzuhalten. Dazu bedarf es auch der Bereitschaft in Moscheegemeinden, Schulen, Nachbarschaft und Freundeskreis, um die jungen Menschen davon abzuhalten, sich und andere ins Verderben zu stürzen.

Link zur Studie: http://msnbcmedia.msn.com/i/msnbc/Sections/NEWS/PDFs/nypd_radicalization_report.pdf