Alles nur geklaut

Der "Schutzbund Deutschland" benutzt sowohl nationalsozialistische als auch kommunistische Grafiken

Schluß mit dem Ausverkauf der Heimat! Im vergangenen Jahr meldeten sich immer wieder einmal Brandenburgerinnen und Brandenburger beim Verfassungsschutz, die Flugblätter vom "Schutzbund Deutschland" in ihren Briefkästen gefunden hatten. Diese Blätter riefen zum Wahlboykott auf, beschworen die "Ausplünderung unseres Volkes durch das raffende Kapital" und  den "Ausverkauf" des Landes durch "Spekulanten und Zinshaie", die aus der Jugend "umherziehende Arbeitsnomaden" machten, "die mit Negern, Polen usw. um die Arbeit streiten müssen".

Es war naheliegend und richtig, dem Verfassungsschutz diese Flugblätter zuzuschicken. Denn der "Schutzbund Deutschland" und die rechtsextremistische "Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD) erscheinen nicht zufällig ähnlich.

NSDAP-Programm als Vorbild des Schutzbundes

Anfang 2004 hatte sich die die "Bewegung Neue Ordnung" (BNO) von der NPD abgespalten, weil letztere nicht "rassistisch genug" gewesen sei. Der Verfassungsschutz Brandenburg hat darüber berichtet (siehe Link am Ende des Artikels). Einige auf den aktuellen "Schutzbund"-Flugblättern erwähnte Personen sind als Aktivisten der BNO in Erscheinung getreten.
 
Viele Forderungen auf diesen Flugblättern sind dem Programm der BNO entnommen, das sich wiederum stark an das 25-Punkte-Programm der NSDAP anlehnt. Rechtsextremisten verleugnen ihre nationalsozialistischen Vorbilder nicht.

Anleihen beim Linksradikalismus haben Tradition

Auch die Flugblatt-Illustrationen sind keine Eigenschöpfungen. Die kernige Faust, die die Schuldigen am vermeintlichen "Ausverkauf" Deutschlands trifft, schlug vor 80 Jahren schon einmal zu. Damals ließ John Heartfield, KPD-Mitglied und Sekretär der "Roten Gruppe", sie unter dem Motto "Tod dem Faschismus" auf Hakenkreuz und Stahlhelm zielen. Heartfields Arbeiten waren, nicht zuletzt durch seine Mitarbeit an der "Roten Fahne", in den 1920er Jahren und Anfang der 1930er Jahre weithin bekannt.

John Heartfield Tod dem FaschismusEs ist keine Neuigkeit, dass Rechtsextremisten sich der Symbolik, der Lieder und Texte linksradikaler Gruppen des vorigen Jahrhunderts bedienen.

So heißt es in dem bekannten Lied auf den "Kleinen Trompeter" des Rotfrontkämpferbundes von 1925:
   
    "Von all unsren Kameraden
    war keiner so lieb und so gut
    wie unser kleiner Trompeter,
    ein lustiges Rotgardistenblut".

Bei den Nazis wurde wie folgt umgetextet:

    "... wie unser Sturmführer Wessel,
    ein lustiges Hakenkreuzlerblut".

Auch ein anderes NS-Kampflied fand seine Vorlage in einem sehr populären Arbeiterlied:
   
    "Auf, auf zum Kampf!
    Zum Kampf sind wir geboren.
    Auf, auf zum Kampf, zum Kampf sind wir bereit!
    Dem Karl Liebknecht haben wir's geschworen,
    der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand".

Diesmal begnügte sich die NS-Version mit dem Austausch der beiden Namen durch den des "Führers".

Die Reihe solcher Nazi-Adaptionen lässt sich fortsetzen. Ob "Sozialistenmarsch" (1891), "Dem Morgenrot entgegen" (1910), "Wann wir schreiten Seit' an Seit'" (1920) - die Nationalsozialisten übernahmen die Lieder, die bis dahin traditionell der radikalen Linken zuzurechnen waren, für ihre Zwecke. Sie erklärten diese geistigen Raubzüge damit, dass sie "nationale Sozialisten" seien, eine politisches Selbsteinschätzung, die u. a. in der heutigen Kameradschaftsszene, in der NPD und im besagten "Schutzbund Deutschland" weiterlebt.