Ziele der Wirtschaftsspionage

Vorrangiges Ziel der Wirtschaftspionage sind Betriebsgeheimnisse und Know-how jeglicher Art. Im speziellen können u.a. folgende Informationen erlangt werden:

  • Forschungsergebnisse, Produktideen
  • Konstruktionsunterlagen, Herstellungsverfahren
  • Spezialwerkzeuge und Steuerungssysteme
  • Lieferanten, Lagerbestände
  • Unternehmensentscheidungen
  • Verkaufsstrategien, Absatz-/Vertriebswege, Kundendaten
  • Kalkulationsunterlagen und Investitionsvorhaben.

Nicht nur international tätige Großkonzerne können Angriffsziel von Wirtschafsspionage sein, sondern auch innovative kleine und mittelständische Unternehmen. In etwa 80 Prozent der Fälle von Wirtschafts- und Industriespionage sind die Opfer mittelständische Unternehmen. Zu den beliebtesten Spionagezielen gehören vor allem Autozulieferer und Maschinenbauer.

Die Größe eines Unternehmens spielt prinzipiell keine Rolle. Einziges Kriterium der Spionage ist das innovative Produkt einschließlich Forschung, Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Preis.

Beispielhaft ist sicher nachvollziehbar welches „Einsparpotential" zu erreichen ist, wenn ein Unternehmen ein Produkt auf den Markt bringt, ohne dafür Forschungs- und Entwicklungskosten ausgegeben zu haben. Schlimmstenfalls lässt dieses Unternehmen das Produkt noch vor dem geschädigten Unternehmen patentieren. Unter Umständen führt dies zum wirtschaftlichen „Totalschaden" (Konkurs) des Unternehmens und zum Verlust einer großen Anzahl von Arbeitsplätzen.

Es wird geschätzt, dass der deutschen Wirtschaft durch illegalen Know-how-Transfer, der auch simpel als „Datenklau" bezeichnet werden kann, jährlich ein Schaden von etwa 20 bis 50 Milliarden Euro entsteht. Es ist davon auszugehen, dass das Dunkelfeld wesentlich höher ist.

Beispielfälle 

Fall (1) - Bayern
Aus Bayern ist folgender Fall mit mutmaßlich nachrichtendienstlich relevantem Hintergrund bekannt geworden:

Ein oberbayerisches international tätiges Beratungsunternehmen für den Bereich Technologie beabsichtigte, in China tätig zu werden. Zu diesem Zweck reiste ein Mitarbeiter nach China, um firmenbezogene Daten zu präsentieren. Die chinesische Firma bestand - mit dem vorgeschobenen Hinweis eigener Sicherheitsvorschriften - auf die Nutzung firmeneigener PCs. Dazu mussten die Daten vom Laptop des Mitarbeiters auf den fremden PC kopiert werden. Hierfür wurde ihm vom chinesischen Gesprächspartner ein USB-Stick zur Verfügung gestellt. Später stellte der Mitarbeiter der deutschen Firma fest, dass auf dem Notebook ein Trojaner installiert worden war. Der Trojaner diente dazu, eine Hintertür des Systems zu öffnen, um den Rechner zum Ziel der Informationsgewinnung fremd steuern zu können.

Fall (2) - Nordrhein-Westfalen
Bei Bauarbeiten auf dem Firmengelände eines mittelständischen Unternehmens wurde eine Auffälligkeit im Erdreich entdeckt. Dort war in einer Plastikdose ein WLAN-Router vergraben. Ein daran befestigtes Kabel führte direkt zur EDV-Anlage im Gebäude. Der Täter konnte so von außen - etwa aus einem geparkten Fahrzeug - über einen Laptop direkt auf den Firmenrechner zugreifen.

Weitere Beispiele in Kurzform:

  • „Hacker stehlen Detailpläne für neues Kampfjetprogramm" - dieses Szenario erlebte Mitte April 2009 das US-Verteidigungsministerium hautnah.
  • Beim Mittelständler Eginhard Vietz aus Velbert (Niedersachsen) hackte sich die amerikanische CIA in sein Computersystem.
  • Ein chinesisches Staatsunternehmen kopierte eine komplette Produktionsanlage.

Vergleichbare Fälle können durchaus auch Brandenburger Unternehmen treffen. Wirtschaftsschutz ist deshalb auch und gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise geboten. Die Verfassungsschutzbehörde in Brandenburg - wie andere Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern auch - sieht ihren Auftrag darin, Wirtschaft und Wissenschaft im Rahmen ihres Auftrages zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, für die auch eine funktionierende Marktwirtschaft von hoher Bedeutung ist, zu informieren und zu sensibilisieren, um den hart erarbeiteten Wissensvorsprung zu sichern.

Die politische Entwicklung seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation hat, wie möglicherweise zu erwarten war, nicht zu einer Stagnation oder zur Abnahme nachrichtendienstlicher Aktivitäten geführt. Die klassischen Spionageziele - Politik und Militär - stehen nach wie vor im Mittelpunkt der Aufklärungstätigkeit fremder Nachrichtendienste. Es ist aber festzustellen, dass die Spionage im Bereich der Wirtschaft/Wissenschaft/Technik einen immer höheren Stellenwert erlangt.