Neonationalsozialisten

Die neonationalsozialistischen „Freien Kräfte“ sind das Ergebnis eines Wandels der neonationalsozialistischen Szene und versuchen sich an weniger formal organisierten Strukturen. Sie nennen sich „Nationale Sozialisten“, „Freie Nationalisten“ oder „Nationaler Widerstand“. Der Begriff „Kameradschaft“ wird nur noch selten genutzt.

Eine besondere neonationalsozialistische Aktionsform stellen gewaltbereite „Autonome Nationalisten“ dar, die sich optisch wie taktisch an linksextremistischen Autonomen orientieren und auch deren Phrasen übernehmen.

Neonationalsozialisten streben ein System an, dass am „Dritten Reich“ und an der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ (NSDAP) ausgerichtet ist. Sie teilen das Selbstverständnis der NSDAP, „Bewegung“ sein zu wollen. Ihr mittlerweile von der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) und den „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) übernommenes Ziel lautet „nationaler Sozialismus“. Trotzdem lehnen Neonationalsozialisten eine Mitwirkung in rechtsextremistischen Parteien mehrheitlich ab. Parteien sind für sie Ausdruck des demokratischen Systems, das sie durch eine rassistische, totalitäre Herrschaftsordnung und dem Führungsprinzip ersetzen wollen.

Bis in die frühen 1990er Jahre waren hierarchisch strukturierte Vereine die typische neonationalsozialistische Organisationsform. Die Mehrzahl dieser Vereine wurde bis Mitte der 1990er Jahre auch von brandenburgischen Innenministern verboten.

Als Reaktion auf die Verbote zahlreicher rechtsextremistischer Vereine suchte die neonationalsozialistische Szene ab Mitte der 1990er Jahre neue Organisationsformen. Zunächst kamen „Kameradschaften“ auf. Sie wollten den Sicherheitsbehörden möglichst keine Angriffsflächen bieten und trotzdem neue Zielgruppen, zumeist Jugendliche, für die neonationalsozialistische „Bewegung“ gewinnen. Doch auch diese Personenzusammenhänge wurden verboten und spielen in der neonationalsozialistischen Szene Brandenburgs in dieser herkömmlichen Form kaum noch eine Rolle. Auf die Kameradschaftsverbote haben Neonationalsozialisten unterschiedlich reagiert. Ein Teil hat sich zurückgezogen. Andere wurden in der NPD, insbesondere in deren Jugendorganisation JN aktiv. Ein erheblicher Teil findet sich jedoch in „Freien Kräften“ zusammen. Das sind sehr lose strukturierte, informelle Personenzusammenschlüsse, in denen herkömmliche Organisationsmerkmale wie Vereinskassen, Mitgliederlisten und klare Organisationsbezeichnungen kaum Bedeutung haben. Zusammengehalten werden sie durch eine gemeinsame neonationalsozialistische und nationalrevolutionäre Weltanschauung, öffentliche Propagandaaktivitäten, selbstinszenierende Internetauftritte, „Helden“-Gedenken und ideologische Schulungen in Lesezirkeln, in denen sich der Gemeinschaftswille und das gemeinschaftliche Ziel, die fdGO anzugreifen, ausdrücken. Neuerdings wird der Kampfsport zusätzlich als Lockmittel und Szenekitt entdeckt.

Der Süden ist Schwerpunkt neonationalsozialistischer Aktivitäten in Brandenburg.